Das Vorstellungsgespräch. Teil 2: Fragen und Antworten

Allgemein, Bewerbung, Interview, Vorbereitung, Vorstellungsgespräch

Dies ist ein zweiter Teil unserer Serie über Vorstellungsgespräche. Hier erfahren Sie mehr (Schauen Sie hier um mehr) über Vorbereitung, Struktur und Ablauf eines Bewerbungsgesprächs (Das Vorstellungsgespräch. Teil 1: Vorbereitung, Struktur und Ablauf)

 

Vorstellungsgespräch. Quelle: pexels.com
Vorstellungsgespräch: Fragen und Antworten. Quelle: pexels.com

Allgemeine Informationen zum Vorstellungsgespräch 

Glückwunsch! Sie haben eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Ihre Bewerbungsunterlagen haben den Recruiter überzeugt und jetzt möchte er sich einen persönlichen Eindruck über Sie und Ihre Erfahrung machen. Sie müssen sich jetzt darauf so gut wie möglich vorbereiten. Es gibt keine goldene Regel, was ein Bewerbungsgespräch angeht.  Kein Grund zur Panik! Es gibt trotzdem eine Art Pool von Fragen, aus denen sich die Personaler bedienen und diese somit häufig im Gespräch vorkommen. Wir haben diese für Sie gesammelt und werden Ihnen auch erklären, was sich hinter diesen Fragen tatsächlich verbirgt.

Meist gestellte Fragen

Frage: Erzählen Sie uns etwas über sich.

Der Klassiker am Anfang von jedem Vorstellungsgespräch. Hier gibt Ihnen der Personaler die Möglichkeit, Ihren Lebenslauf darzustellen und wird Ihnen helfen – sogar wenn sie aufgeregt sind – sich „aufzuwärmen”. Sie haben relativ wenig Zeit, um ihren Werdegang darzustellen. Fokussieren Sie sich somit auf die Themen (d.h. Ihre Erfahrung), die für diesen Job relevant sind und die für Sie als Kandidat ein Alleinstellungsmerkmal in den Augen des Recruiters schaffen wird.

Unser Tipp: Da es eine der ersten Fragen im Vorstellungsgespräch ist, bereiten Sie sich darauf vor. Sie wollen den Recruiter beeindrucken. Auf keinen Fall sollen Sie Ihre Erfahrung einfach nur auflisten. Vielmehr sollten Sie mit viel Leidenschaft reden und stolz auf Ihre Erfahrung sein!

Frage: Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben. Warum sind Sie der Richtige für diesen Job?

Dies kann eine der wichtigsten und entschiedensten Fragen im Vorstellungsgespräch sein! Der Recruiter will wissen, dass, und warum, Sie perfekt für diesen Job sind. Keine leichte Aufgabe, wenn man unter Druck steht. Deswegen setzen Sie sich vor dem Interview mit der Stellenausschreibung auseinander. Nehmen Sie diese und brechen sie auf kleinste Teile herunter. Stellen Sie sich zu jedem Punkt (z.B. hohe Leistungsorientierung oder Erstellung von Trendanalysen und Handlungsempfehlungen) die Frage, ob Ihre bisherige Erfahrung dafür reicht und wie Sie die Firma dann in diesem Bereich unterstützen können. Dies wird Ihnen die Argumentation für die Beantwortung dieser Frage geben. Ein netter Nebeneffekt davon:  Mit einer solchen Analyse können Sie auch für sich selbst noch vor der Bewerbung erkennen, ob Sie für diese Stelle überhaupt geeignet sind.

Unser Tipp: Was oft leider vergessen wird – beziehen Sie sich nicht nur auf die Rolle sondern auf das Unternehmen und, wenn möglich, die Unternehmenskultur. Zeigen Sie, wie Sie als Mensch in das Unternehmen passen und dieses auch bereichern können. Damit werden Sie zusätzliche Punkte bei dem Personaler bekommen!

Frage: Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Der Klassiker schlechthin! Wird zum Glück immer seltener gestellt. Hier geht es dem Recruiter darum, wie Sie sich als Bewerber einschätzen und wir ehrlich Sie damit umgehen können. Jeder hat seine Schwächen und das wird immer so bleiben. Der Hintergrund dieser Frage ist, sich der Schwächen bewusst zu sein und gleichzeitig auch etwas proaktiv dagegen zu tun. (z.B. Sie sagen, dass sie z.B. ungeduldig sein können, ABER haben für sich einen Weg gefunden, wie man dies unter Kontrolle halten kann). Als Bewerber und Arbeitnehmer sollte man immer einen Schritt voraus denken.

Bei den Stärken sollen Sie die gängigen wie teamfähig, kreativ  usw. meiden und sich etwas überlegen, das Sie für diese Stelle passend macht –Sie können dadurch diese Standardfrage zu Ihren eigenem Gunsten nutzen!

Wo stehen Sie in 5 Jahren.

Keine Angst. Sie müssen hier keinen detaillierten Plan vorstellen. Der Hintergrund dieser Frage ist relativ einfach: Der Personaler möchte wissen, ob Sie sich Gedanken über Ihre berufliche Zukunft gemacht haben. Wo Sie sich hin entwickeln möchten, wonach Sie streben und was Sie im beruflichen Leben motiviert. Sie brauchen keine genaue Antwort wie z.B. “Ich möchte Senior Vice President Marketing für Zentraleuropa werden”. Verfassen Sie Ihre Antwort eher allgemein: “Ich möchte gerne meine Stärken in der Personalführung nutzen und somit ein Teamleiter werden”. Antworten Sie ehrlich, bleiben Sie auch realistisch und höflich. (Eine Antwort wie “Ich möchte diesen Laden laufen“ wird nicht so gut ankommen).

Unser Tipp: Analysieren Sie Ihre Stärken und bauen die Antworten darauf auf. Sie können gut chinesisch? Vielleicht können Sie sich in Richtung Betreuung des chinesischen Marktes entwickeln. Sie können gut Kundenbeziehungen aufbauen? Vielleicht können Sie Key Account Manager werden.

Haben Sie noch Fragen?

Die Abschlussfrage jedes Bewerbungsgesprächs. Obwohl Sie ggf. alles, was Sie wissen wollten, schon im Interview gehört haben, gibt es hier trotzdem nur eine Antwort: “Ja. Ich habe noch eine Frage.” Wenn Sie keine Frage stellen, können Sie beim Personaler den Eindruck erwecken, mangelndes Interesse zu haben oder unvorbereitet zu sein. Bereiten Sie noch vor dem Vorstellungsgespräch ein paar Fragen vor. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie keine Fragen stellen, deren Antworten im Internet zu finden sind. Sie könne auch gerne eine Vertiefungsfrage zu dem, was der Personaler früher gesagt hat, stellen, z.B. “Sie haben gesagt, dass das Team international ist. Können Sie etwas mehr dazu sagen”.

Aber Vorsicht! Fragen wie Anzahl der Urlaubstage, Prämien oder Arbeitszeiten sollen Sie eher nicht ansprechen. Sie sollten nicht den Eindruck erwecken, dass Ihr Interesse an den Feiertagen oder zusätzlicher Vergütung liegt.  Überlassen Sie dieses Thema dem Personaler.

Können Sie unter Druck arbeiten?

In jedem Job gibt es Situationen, die stressiger sind. So sieht das Berufsleben eben aus. Der Recruiter will hier wissen, ob Sie auch unter Druck Fokus auf die Aufgabe behalten können und ob Sie eine Strategie haben, mit Stress umzugehen. Hierzu gibt es natürlich nur eine Antwort: Ja. Nun, aber um den Personaler zu überzeugen, dass es keine leere Aussage ist, brauchen Sie Argumente.

Unser Tipp: Sie sollten hier Beispiele aus Ihren vorherigen Jobs nennen, wie Sie zum Beispiel trotz enger Deadlines ein Projekt abgeschlossen haben. Solche Beispiele werden Ihnen helfen, Ihre Aussagen zum Umgang mit Stress zu untermauern.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Niemand ist perfekt und wir haben immer Verbesserungspotentiale. So ist es eben. Hier will der Personaler wissen, in wie weit Sie Kritik annehmen können und diese nicht als Kritik per se sehen, sondern eine Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung. Keiner will einen Mitarbeiter haben, der mit Kritik überhaupt nicht umgehen kann oder diese gleich persönlich nimmt und sich angegriffen oder beleidigt fühlt. Zeigen Sie dem Gegenüber, dass Sie mit (konstruktiver) Kritik souverän umgehen können und diese als Feedback nutzen, um sich und Ihre Arbeit zu verbessern.

Unser Tipp: Finden Sie ein Beispiel, mit dem Sie den Personaler beeindrucken können. Und versuchen Sie, anstatt “Kritik” das Wort “Feedback” zu nutzen.  

Warum wollen Sie Ihren Arbeitgeber verlassen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum man den Arbeitgeber wechseln will. Diese brauchen Sie nicht unbedingt dem Personaler im Detail beschreiben. Was hier ein komplettes No-Go ist, ist über den letzten Arbeitgeber oder das Team schlecht zu reden. Dadurch werden Sie sich beim neuen Arbeitgeber nicht beliebt machen. Begründen Sie den Wechsel mit (neuen) Karrierezielen oder Zukunftsplänen. Sagen Sie, dass Sie neues Potential in sich entdeckt haben, welches Sie weiterverfolgen wollen oder, dass Sie sich noch mehr auf bestimmte Aufgaben fokussieren wollen. Damit senden Sie auch ein Signal über Ihre Motivation!

Was ist Ihre Gehaltsvorstellung?

Es ist keine leichte Aufgabe den eigenen Marktwert abzuschätzen. Es gibt aber einige Punkte, die Ihnen dabei gut helfen können.

Manche Arbeitgeber schreiben schon in der Stellenausschreibung, was das Zielgehalt ist, welches Ihnen natürlich die Antwort auf die Frage leichter macht. Die anderen verlangen es im Bewerbungsschreiben. Hierzu versuchen Sie im Internet zu recherchieren, wie vergleichbare Stellen bezahlt werden und fragen Sie in Ihrem Netzwerk. Sobald Sie eine Vorstellung haben, kommunizieren Sie diese. Kommunizieren Sie keine absolute Größe wie 40 Tausend, sondern geben Sie eher ein Intervall, wie 38 Tausend bis 43 Tausend, an. Dies gibt Ihnen auch eine Möglichkeit, Ihr Gehalt bei einem gut gelungenem Bewerbungsgespräch hochzuhandeln. Sie wollen sich doch nicht unter Ihrem Marktwert verkaufen.

Unser Tipp: Manchmal wollen die Personalverantwortlichen auch eine Begründung “warum man so ein hohes Gehalt zahlen soll”. Überlegen Sie sich einige Argumente (z.B. Ihre Erfahrung, Kundennetzwerk usw.) und welchen positiven Einfluss dies bei der Einstellung haben wird. Je besser die Argumente, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Zielgehalt verhandeln können.

Fazit

Es gibt eine Unmenge möglicher Fragen, die ein Personaler im Bewerbungsgespräch stellen kann. Grundsätzlich gilt: Bereiten Sie sich für jedes einzelne Vorstellungsgespräch gesondert vor. Nehmen Sie die Stellenausschreibung, sammeln Sie Informationen über die Firma und versuchen Sie daraus mögliche Fragen abzuleiten. Schreiben Sie diese auf und notieren Sie die dazugehörigen Antworten (darauf). Lernen Sie diese auswendig. Somit können Sie sich für jedes Interview gut vorbereiten und sogar für die außergewöhnlichsten Fragen Antworten parat haben. Viel Erfolg!


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