Das Vorstellungsgespräch. Teil 1: Vorbereitung, Struktur und Ablauf

Allgemein, Interview, Vorbereitung, Vorstellungsgespräch
Vorstellungsgespräch Vorbereitung Struktur Ablauf

Das Vorstellungsgespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen von Bewerber und Unternehmen und hat einen klaren Ablauf und Struktur. Der erste Eindruck, also die Bewerbungsunterlagen, soll durch ein Gespräch vertieft werden, um aus den trockenen “Daten und Fakten” ein Bild von dem Bewerber entstehen zu lassen.

In Zeiten der digitalen Revolution, War for Talents und Work Life Balance, ist es den Firmen zunehmend wichtiger, für eine offene Position den richtigen Menschen mit entsprechenden Soft Skills zu finden. Man versucht, einen kulturellen Fit zwischen der Firma und dem Kandidaten zu finden.

Was oft vergessen wird ­- ein Vorstellungsgespräch ist keine Einbahnstraße! Ein Bewerber wird bei diesem Termin nicht nur schlicht durch den Personaler “abgefragt”, sondern soll sich die Zeit dafür nehmen, selber Fragen zu stellen. Ihr Ziel soll sein, ein Unternehmen zu finden, das zu Ihren Vorstellungen und Werten passt. Also haben Sie keine Angst davor, während des Interviews den Ball zu übernehmen und proaktiv eigene Fragen stellen! Bleiben Sie immer auf gleicher Augenhöhe mit Ihrem Gegenüber und vergessen Sie nicht, dass heutzutage eher die Unternehmen dafür kämpfen müssen, einen guten Mitarbeiter zu gewinnen, als umgekehrt.

Struktur vom Vorstellungsgespräch

Jede Stellenausschreibung ist anders, jeder Personaler hat eine eigene Handelsweise und jede Firma hat andere Recruiting-Standards. Es ist somit schwer, über einen standarisierten Ablauf Tipps zu geben. Trotzdem, eine gewisse Meta-Struktur wird durch den Personalverantwortlichen immer eingehalten.

Begrüßung und Einführung:

Hier wird der Recruiter kurz den Bewerber über den weiteren Ablauf des Interviews informieren.

Zu Unternehmen und Stelle:

Der Personaler gibt dem Kandidatean einen Überblick über das Unternehmen, die Abteilung oder das Team. Obwohl Sie natürlich vorher über die Firma recherchiert haben, lohnt es sich aufmerksam zuzuhören. Hier werden auch ggf. Fakten erzählt, die sonst öffentlich nicht zu finden sind. Diese können Sie sich gerne aufschreiben oder merken, um diese im nächsten Teil des Vorstellungsgesprächs aufzugreifen.

Unser Tipp: Obwohl Sie wahrscheinlich viele Fragen haben, lassen Sie den Personaler reden. Sie können gerne kleine Verständnisfragen stellen, behalten Sie Ihre “größere” Fragen jedoch für den weiteren Teil des Gespräches.

“Stellen Sie sich vor”:

Hier kommen Sie zum Zuge. Dies ist ein Teil des Bewerbungsgespräches, auf den Sie sich gründlich vorbereiten müssen. Ihnen werden detailierte Fragen über Ihren CV bzw. Werdegang gestellt. Sie müssen hier Ihre, oft vieljährige, Berufserfahrung knapp und gleichzeitig schmackhaft beschreiben. Dies ist natürlich nicht leicht. Unsere Empfehlung: Lesen Sie die Stellenausschreibung genau durch und heben Sie diejenigen Stationen in Ihrem Lebenslauf hervor, die Sie zum besten Kandidaten für diese Stelle machen werden. Versuchen Sie dabei eine Art “Story telling” aufzubauen – machen Sie aus Ihrem Werdegang eine interessante Geschichte, welche ihr Ende in diesem Vorstellungsgespräch hat.

Unser Tipp: Obwohl Sie sich auf diese Fragen vorbereiten müssen, bleiben Sie locker und spontan. Sie versuchen hier, sich selber zu “vermarkten”. Reden Sie gerne mit viel Emotionen und Leidenschaft über Ihre Vergangenheit – das wird den Personaler auf jeden Fall beeindrucken.

Aus der Praxis kann man sagen, dass dieser Teil vom Vorstellungsgespräch nicht immer sauber von dem nächsten Teil abgetrennt wird. Vielmehr verfließen diese zwei Teile organisch miteinander. Bereiten Sie sich somit vor, während Ihres Story Tellings unterbrochen zu werden, um bestimmte Vertiefungsfragen zu beantworten.

Der Einstieg:

Der wichtigste Teil vom Vorstellungsgespräch. Es ist die Zeit gekommen, in die Tiefe zu gehen. Zuerst hatten Sie die Möglichkeit, sich vorzustellen, um dadurch auch in Gang zu kommen. Jetzt wird aus dem Monolog ein richtiges Gespräch. Hierzu müssen Sie sich bis zu einem gewissen Maß auf alles Mögliche vorbereiten. Je nachdem, um welchen Job oder Rolle es sich handelt kann es hier auch praktischer werden (“Zeigen Sie uns wie…” Frage).

Nachdem Sie sich in einem guten Licht dargestellt haben, wird der Personaler versuchen, auch diejenige Momente aus Ihrem Lebenslauf herauszufinden, von denen Sie nicht geredet haben. Deswegen wird er auf jeden Fall viele kritische und teilweise auch provokative Fragen stellen. Erschrecken Sie sich nicht und lassen Sie sich auch nicht verunsichern (oft ist dies das Ziel hier – Sie aus Ihrer Komfortzone herauszureißen). Bleiben Sie ruhig und antworten Sie ehrlich auf die gestellten Fragen. Sollen Sie aber das Gefühl haben, dass der Personaler zu dringlich ist und eine gewisse Grenze überschreitet, seien Sie auch assertiv dem anderen gegenüber und kommunizieren Sie gerne, wo Ihrer Meinung nach eine Grenze liegen soll (vergessen Sie nicht: das Gespräch soll auf einer Augenhöhe stattfinden).

Die Vertiefung:

Nutzen Sie auch diesen Teil des Vorstellungsgesprächs, um selber Fragen zu stellen. Sie wollen schließlich das Unternehmen kennenlernen. Bereiten Sie schon vor dem Gespräch eine Liste von Fragen vor. Sie können auch gerne diejenigen Fragen, die bei Ihnen am Anfang des Gesprächs aufgekommen sind, jetzt stellen. Ihr Gegenüber wird diese dann auch ehrlich beantworten und versuchen, Ihnen das Unternehmen schmackhaft zu machen.

Der Vertiefungsteil ist auf jeden Fall kein einfacher Teil des Interviews: Es kann bis zu einer Stunde dauern und für beide, Bewerber als auch Interviewer, anstrengend sein. Haben Sie jedoch keine Angst davor und sehen Sie es als eine Möglichkeit sich gegenseitig gut kennenzulernen.

Abschluss:

Sie haben den Hauptteil vom Vorstellungsgespräch erfolgreich überlebt? Alles muss irgendwann aber ein Ende haben. Nach dem mehr oder weniger ansteigenden Bewerbungsgespräch handelt es sich um ein kurzes Wrap up und Klärung der Next Steps. Oft wird hier auch nach zeitlicher Verfügbarkeit (Kündigungsfrist) und auch ersten Gehaltsvorstellungen gefragt.

Unser Tipp: Sollte Ihnen die Stelle wirklich gefallen, Sie haben aber auch schon Vorstellungsgespräche bei anderen Firmen gehabt? Sie können dies gerne dem Personalverantwortlichen sagen, dabei auch anmerken, dass Sie von der Stelle beeindruckt sind. Sollte das Unternehmen auch Interesse an Ihnen haben, wird es dazu ermutigt, den Recruiting-Prozess zu beschleunigen, um Sie ggf. nicht an eine andere Firma zu verlieren.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.